Wie wirken digitale Medien auf Kinder?

Mehr als 60 Pflegeeltern und Fachleute beim kreisweiten AWO-Fachtag

Das Thema erhitzt die Gemüter. Sind Handys, Computerspiele und soziale Plattform eher gut oder eher schlecht für die kindliche Entwicklung? Der AWO-Pflegekinderdienst für den Kreis Herford organisierte dazu eine gut besuchte Fortbildung im AWO-Begegnungszentrum Oetinghausen.

Mehr als 60 Pflegeeltern sowie Fachleute aus Jugendämtern, Verwaltungen und pädagogischen Einrichtungen beteiligten sich aktiv an dem Fachtag "Digitale Medien und ihr Einfluss auf unsere Kinder". Sie nutzten die Gelegenheit, Informationen und Erfahrungen auszutauschen.

„Die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen verändert sich im digitalen Zeitalter rasant. Sie verbringen einen Großteil ihrer Zeit mit digitalen Medien in Innenräumen ohne genügend Tageslicht und frischer Luft und sind zudem einer permanenten Strahlungsbelastung ausgesetzt“, sagte beispielsweise Dr. Keren Grafen.

Die promovierte Neurobiologin beschrieb unter anderem den Einfluss von veränderten Umweltbedingungen auf die Entwicklung und Reifung des Gehirns von Kindern und Jugendlichen. Aufgrund der Digitalisierung würden beispielsweise Kurzsichtigkeit, „Handynacken“ oder Schlafstörungen zunehmen. Grafen: „Damit Kinder und Jugendliche einen verantwortungsvollen Umgang mit Medien lernen können, brauchen sie die Unterstützung und Anleitung durch die Eltern.“

Neben diesem Impulsvortrag gab es fachliche Workshops unter anderem zu den Themen Computerspiele, Mediensucht und Cyber-Mobbing. „Mit dem Fachtag wollen wir Impulse und konkrete Hilfen für die Praxis im Umgang mit Kindern geben“, erklärte Bärbel Bremann, Leiterin des AWO-Pflegekinderdienstes.

Erzieher Olaf Zielke vom AWO-Kinder- und -Jugendhaus, ermöglichte den Teilnehmern Einblicke in die digitale Spielewelt und informierte über aktuelle Trends. Medienpädagogin Eva-Lotte Heine von femina vita (Mädchenhaus Herford) erklärte Cyber-Mobbing und was Eltern tun können, wenn ihr Kind betroffen ist.

Janina Kollmeier und Uwe Holdmann vom Diakonischem Werk Herford zeigten, dass die Grenze zwischen Medienlust und Mediensucht schnell überschritten werden kann. „Klare Grenzen, klare Nutzungsregeln und geplante medienfreie Zeiten sind wichtig in der elterlichen Medienerziehung“, rieten sie. 

Burkhardt Rother von der Schulpsychologischen Beratungsstelle Kreis Herford beschreibt die Elternsituation als einen Balanceakt. Kinder und Jugendliche würden gekränkt und verzweifelt reagieren, wenn sie keinen ungefilterten Zugang zum Internet hätten oder wenn Altersangaben von Facebook und Co wirklich umgesetzt würden. Andererseits müsse ihre Selbständigkeit gefördert und der Kontakt zu anderen und zur Welt ermöglicht werden.

Von links: Eva-Lotte Heine (femina vita), Uwe Holdmann (Diakonisches Werk), Burkhardt Rother (Kreis Herford), Heike Wiechers (Pflegekinderdienst Stadt Herford), Bärbel Bremann (AWO), Neurobiologin Dr. Keren Grafen, Janina Kollmeier (Diakonisches Werk)

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